SIE&ER


DORIS
STEPHAN
Beim Arzt stand ein Glas, mit Sugus ganz voll.
Das fand Klein-Stephan einfach toll.
Beherzt griff er zu
und hatte im Nu
das Glas fast leer;
der Mama war das peinlich, sogar sehr!
Der Doktor, der Weise,
sagte ganz leise:
"So schlimm ist das nicht;
der bringt es noch weit, der kleine Wicht!"
Und Doris, das liebe Kind,
haut der Schwester eins auf den Grind.
Nein, nicht einfach so,
sondern mit einem Zoggeli, ganz roh.
Doris schreit los, dass Gott erbarme
und Mama Schneider tröstet: "Ach Doris, du Arme!"
Bei Hofstetters kam der Samichlaus
und breitete Stephans Sünden aus.
Es haut den Chlaus fast aus den Socken,
denn Klein-Stephan meint ganz trocken:
"Jetzt tuets äs aber, Lämilois."
Das hören sie halt nicht gern, die Boys!
Mit Sünden hatte Doris nichts am Hut.
Sie war unendlich brav und gut:
Eifrig buk sie Kuchen, 
nähte fleissig, fast ohne Fluchen.
Der Kuchen ging auf wie ein Ballon.
Backpulver mit Mehl verwechselt? Was macht das schon!
Die Hosen nähte sie verkehrt herum . . .
Kreativ! Gar nicht so dumm!
Stephan war schon früh galant,
brachte Tulpen nach Hause, gepflückt von Hand.
"Wo kommen denn die Tulpen her?"
Fragt die Mama und wundert sich sehr.
"Gstübercho", sagt der Kleine fix
und denkt, das macht doch nix.
"Das ist aber gar nicht fein;
Blumen in fremden Gärten lässt man sein!",
spricht die Mama in ernstem Ton
und rät zu Blumen auf dem Felde ihrem Sohn.
Gehorsam, wie er nun mal ist,
bringt er innert kurzer Frist
einen Strauss voll Löwenzahn.
Mama stöhnt: "Das ist der Wahn!"
Die Hängematte in St. Gallen
hat Klein-Doris nicht gefallen.
Sie hatte Angst, sie könnte krachen.
"Nein", sagt man ihr," ist ja zum Lachen,
wenn sie Papa Baumi hält, dann dich noch lange."
Da stieg sie ein, zwar etwas bange.
Bald schaukelt sie aber mit Genuss . . .
und plötzlich "PÄNG" - sie liegt am Boden, so ein Stuss!
Eine Woche vor dem 1. August
packte Stephan und Robert die grosse Lust:
Knallfrösche und Raketen gingen los im Quartier.
Lentuluspyromanen, heissen die zwei Brüder jetzt hier.
Doris, die Elegante, 
fuhr lieber Töffli als dass sie rannte.
Vor der Zinnkanne, dem Bellevue Kehrsatz,
nahm das Töffli plötzlich einen Satz,
denn der Jupe verfing sich in der Kette . . .
und im Super-Mini stand sie da, die Nette!
Daktari, die Serie, die bei Stephan stets lief,
machte ihn früh schon sehr kreativ:
Die Mutter hiess Fido, der Bruder Frog, der Vater Bär
und wie wir andern heissen, wissen wir so ungefähr!
Schon als Teeny war Doris sehr begehrt
und wurde von so manchem verehrt.
Mit einem Motorisierten ging sie einst aus
und kam, wie meistens, sehr spät nach Haus.
Es hatte geschneit in jener Nacht
und da hat der sein Auto nicht weggebracht.
Es spulte und spulte im vielen Schnee;
da half kein Ach und kein Herrjeh!
Sie holten Vater Schneider aus dem Schlaf
und der war froh, dass er ein Mal einen Begleiter traf!
Was kennt Ihr für Spielhöllen, ausser Las Vegas und den Küre?
Stephan, der nahm alle seine Spiele füre,
breitete sie aus
und Salon "Texas-Tschonis" war im Haus!
Ans Steuer liess Papa Schneider seine Jüngste einst im Wald;
ja, so sind die lieben Väter halt.
Doris, mit sicherem Instinkt für die Pedale,
drückt voll aufs Gas mit der Sandale.
Das Auto kracht in einen Baum, 
zweitausend Schaden; aus der Traum!
Jetzt wusste sie, so gelingt's,
das Gas ist rechts, die Bremse links.
Und mit dem Fiat auf vollen Touren
flitzt sie los, immer auf schnelleren Autos Spuren.
Doch bei der Bolide aus Turin
war der Schaltknüppel plötzlich hin!
Seither steht sie voll auf BMW;
das ist nicht schlecht, man kann es gseh!
Im Heimetli in Belp ist's dann passiert:
Ein smarter Typ hat sie verwirrt.
Businesslike und irre lässig,
mehr durstig als gfrässig,
sprach über Digi-cams, Palmtops und DVD.
Man fragt sich, hat er auch einen PC?
Kurz und gut, es hat gezündet,
seither sind sie eng verbündet,
segeln öfters mit dem Boot
ganz romantisch ins Abendrot.
Doch so ein Boot hat seine Tücken,
wenn Doris ihren Finger überall hin will drücken.
Eingeklemmt ist er, das ist fatal.
Auf geht's, im Badetenu ins Spital!
Kaum ist Doris wieder fit,
landet sie den nächsten Hit:
Sie meldet sich am Telefon jetzt so:
"Praxis Dr. Schneider, Moreau"
Bald heisst es dann: "Physio Dr. Hofstetter, Schneider,
nein, Moreau ist nicht da, leider,
versuchen Sie's im Steinbach mit der Therapie . . .
sonst lernen Sie die Namen nie!"
So gäb's noch Manches zu berichten;
der Stoff geht uns nicht aus, mitnichten.
Doch, das lassen wir jetzt sein,
wir sind ja schliesslich nicht gemein!